Sprachkontakt in der Stadt: Urbane Varietäten im Ruhrgebiet und in Berlin
Urbane Räume zeichnen sich durch hohe Dichte, hohe Diversität und hohe Fluktuation ihrer Bevölkerung aus, was unter anderem auch eine große sprachliche Vielfalt und Dynamik mit sich bringt. Im Vortrag werde ich sprachliche Merkmale von Varietäten des Deutschen besprechen, die sich im urbanen Raum entwickelt haben und entwickeln, und werde hierzu die beiden Metropolregionen Berlin und Ruhrgebiet betrachten.
Diese beiden Regionen sind auf eine sehr ähnliche Weise seit Jahrhunderten durch Sprachkontakt geprägt, zunächst im Zuge der Ablösung des Niederdeutschen durch das Hochdeutsche, dann seit Ende des 19. Jahrhunderts während mehrerer Phasen teils umfangreicher und rapider Zuwanderung – ausgelöst zunächst durch die Industrialisierung, später durch das Abkommen zur Anwerbung sog. „Gastarbeiter“ sowie aktuell durch rezente globale Migrationsprozesse.
Anhand ausgewählter grammatischer Phänomene möchte ich diskutieren, ob sich unter den Bedingungen urbaner Sprachkontaktsituationen ähnliche strukturelle Merkmale herausbilden und ob sich darin möglicherweise allgemeinere Charakteristika urbaner Varietäten und ihrer Entwicklungspfade zeigen – von Ruhrdeutsch, Berlinisch und multilingualen Marktgesprächen bis Kiezdeutsch.
Ulrike Freywald ist Professorin für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Münster. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Syntax und Morphologie des Deutschen, Gesprochene Sprache, Sprachvariation und Sprachwandel, Grammatikdidaktik sowie Mehrsprachigkeit und Sprachkontakt im urbanen Raum.
Über „Tysk Fredag“
Die Freitagsvorträge sind für jedermann zugänglich. Sie eröffnen neue Perspektiven auf die deutsche und deutschsprachige Gesellschaft, Kultur und Geschichte und thematisieren auch deutsch-transnationale Themen. Jeder ist willkommen. Koordinator: Detlef Siegfried.